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Bing Crosby - die “Wiederentdeckung” einer amerikanischen Legende
Rezension [mit einigen CD-Tipps]: Gary Giddins, Bing Crosby: A Pocketful Of Dreams - The Early
Years 1903 - 1940, Little Brown & Co.. amazon.de
B ing Crosby war von den frühen Dreißigern bis zur Mitte der fünfziger Jahre der populärste und einflussreichste Exponent der amerikanischen
Popmusik. Er verkaufte mehr Schallplatten als alle seine Kollegen, im Kino war er regelmäßig zu sehen, zuerst in eher leichtgewichtigen Musikkomödien, später auch in ernsteren
Rollen. Außerdem etablierte er sich als Radio-Star. Über seine Kraft Music Hall erreichte er teilweise bis zu 50 Millionen Amerikaner. Anders gesagt: er war zu seiner Zeit
eine amerikanische Institution und fast allen seinen Landsleuten gegenwärtig in einem Umfang, der heutzutage - gerade, wenn man unsere segmentierte Musikszene betrachtet - nicht mehr möglich wäre.
Crosby starb 1977, im selben Jahr wie Elvis Presley. Zu diesem Zeitpunkt war
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Informationen & Rezensionen
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er zumindest noch für die ältere Generation in den USA von Bedeutung. Aber auch er gehörte zu den „Opfern” des Rock'n Roll
und so wurde er bestenfalls noch als Repräsentant einer alten, längst vergangenen Zeit wahrgenommen. Es gehört zu den großen Ironien unserer Kultur, dass die Filmstars der Vorkriegszeit von Charlie
Chaplin über Jean Harlow bis Clark Gable immer ihren Status als kulturelle Ikonen behielten. Auch die Rock-Generation ist mit diesen Filmen, die regelmäßig im Fernsehen gezeigt wurden,
aufgewachsen. Die Vertreter der damaligen Musikszene sind dagegen bemerkenswert gründlich überrollt worden und fanden sich bestenfalls noch in der Nostalgie-Ecke wieder. Für unsere Generation war Bing Crosby
schlicht und einfach indiskutabel und hoffnungslos altmodisch.
Crosbys Bedeutung als musikalischer Innovator, als erster bedeutender Stilist
des modernen Pop-Gesangs ist lange Zeit kaum gewürdigt worden, obwohl alle nachfolgenden Sänger ihm verpflichtet waren. Aber vielleicht war Bing Crosby ja
einfach nur zu reich und zu weiß. Nur: die Musiker jeglicher Couleur haben immer gewusst, wie wichtig er war. Und in den letzten Jahren ist das - vor allem
dank Will Friedwald - zumindest ansatzweise aufgearbeitet worden. Aber ein Blick beispielsweise in den neuen Oxford Companion To Jazz zeigt, dass er in
dieser Beziehung immer noch unter Wert gehandelt wird.
Man sollte selbstverständlich nicht übertreiben. Bing Crosby ist natürlich nicht
ganz vergessen. Auf dem CD-Markt ist er sehr präsent. Allerdings handelt es sich häufig um schnell zusammen geschusterte Nostalgie-Ware, auf denen
immer wieder dieselben Lieder verarbeitet werden. Kompetent produzierte CDs sind immer noch Mangelware. Sehr bezeichnend ist aber ein Blick auf den
Buch-Markt. Kenntnisreiche Auseinandersetzungen mit seiner Musik finden sich nur ganz selten in der umfangreichen Literatur zur Geschichte des Jazz
und Pop. Vergleicht man mal dieses schmale Angebot mit den Mengen an Veröffentlichungen, die etwa Bob Dylan, den Beatles, Elvis Presley oder - inzwischen auch - Frank Sinatra gewidmet wurden, dann erkennt man schon
die schwache Position Bing Crosbys in unserer musikhistorischen Erinnerung.
Vor allem fehlte eine kompetente Biographie. Seit längerer Zeit angekündigt und
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Bücher zu Bing Crosby
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Das Angebot läßt momentan sehr
zu wünschen übrig. Kennen sollte man natürlich auch Crosbys auto- biographische Aufzeichnungen, die allerdings ziemlich spießig geraten sind: Call Me Lucky. Bing Crosby’s Own Story, As Told To Pete Martin, New York: Da Capo 1993 [1953]. amazon.de
Daneben lohnt sich immer noch das entsprechende Kapitel in: Will Friedwald,
Jazz Singing, New York: Da Capo 1996 [1990] amazon.de
[dt.:Swinging Voices Of America, St. Andrä-Wördern: Hannibal 1992]
Eine sehr interessante Auseinandersetzung mit Crosby findet sich im Kapitel Family
values in music? Billie Holiday´s and Bing Crosby´s `I´ll Be Seeing You´ in:. David Brackett, Interpreting Popular Music, University Of California
Press, 2000 [1995]. Der Autor ist Musikwissenschaftler und bietet eine ganz vorzügliche Analyse zu Crosbys Gesangsstil.
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zu Beginn dieses Jahres endlich erschienen, ist dieses umfangreiche Werk von Gary Giddins, das allerdings nur die erste Hälfte von Crosbys Leben
behandelt. Der zweite Teil soll in zwei Jahren fertig sein. Giddins ist einer der renommiertesten amerikanischen Jazz-Kritiker. Er hat zum Beispiel das bisher beste Buch über Louis Armstrong
verfasst, dazu eine gleichermaßen hoch gelobte Biographie zu Charlie Parker. Seine Artikel, die vor allem in der Village Voice erschienen sind, finden sich gesammelt in einer Reihe interessanter und
lesenswerter Bücher.
Dieses umfangreiche Werk ist in den USA übrigens mit bemerkenswert großem Interesse zur Kenntnis
genommen worden. Es gab lange kein Biographie über einen Musiker, die so viele - in der Regel positive - Rezensionen erhalten hat. Die New York Times,
immer noch einer der großen Meinungsführer in dieser Hinsicht, hat gar zwei Besprechungen gebracht. Offensichtlich hat Giddins mit dieser „Wiederentdeckung” eines Repräsentanten des alten Amerika doch sehr
nachdrücklich den Nerv seiner Zeitgenossen getroffen, vor allem weil er sich nicht wie etwa Greil Marcus in sprachlich undurchdringlichen Mythologi-
sierungen ergeht, sondern ganz schlicht und einfach mit dem Leben Bing Crosbys auch einen wichtigen und heute in fast schon in Vergessenheit
geratenen Aspekt der amerikanischen Kulturgeschichte aufzeigt. Marcus hat in seinen Büchern Mythen konstruiert. Giddins rekonstruiert hier einen realen amerikanischen Mythos!
Bing Crosby ist ein schönes Beispiel für eine typisch amerikanische Erfolgsgeschichte, wobei man aber immer bedenken muss, dass es viele
versucht haben, doch nur die wenigsten durchgekommen sind. Aber Crosby hatte sowohl Talent wie auch das entsprechende Durchsetzungsvermögen.
Und: er war zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle. Harry Lillis Crosby wurde 1903 in einer nicht reichen, aber auch nicht ganz armen irisch-
amerikanischen Familie als viertes von sieben Kindern geboren. Er besuchte eine Jesuitenschule, so dass er sich eine ausgezeichnete Schulbildung aneignen konnte.
An Musik war er schon frühzeitig interessiert. Seine Familie besaß ein
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Bing Crosby im Internet
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Hier empfehle ich zuerst einen Blick in das The Bing Crosby Internet Museum von Steven Lewis. Das ist eine der besten und Websites, die ich kenne. Hier findet man reichlich Links sowie kompetente Informationen zu Crosbys CDs, Filmen etc.
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Grammophon, so dass er die zeitgenössische Popmusik und später den frühen Jazz über das neue Medium Schallplatte zur Kenntnis nehmen konnte. Als
Jugendlicher lernte er etwas Schlagzeug spielen, er spielte in einer Band und er machte sich auf lokaler Ebene einen Namen als Sänger. Trotz mancher Bemühungen seiner
Eltern entschied er sich für eine Laufbahn als Musiker. 1925 brach er sein Rechtsstudium ab und machte sich mit seinem Kompagnon Alton Rinker auf den Weg nach Los Angeles. Dort fand er sich sehr schnell in der
Vaudeville-Szene zurecht und sammelte reichlich einschlägige Erfahrungen. Schon 1926 wurden er und Rinker von Paul Whiteman engagiert, der damals
das namhafteste und kommerziell erfolgreichste Tanz-Orchester leitete.
Whiteman verhalf ihm zu seinen ersten Plattenaufnahmen im Jahre 1927.
„Muddy Water” bot schon einen kleinen Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Dort trafen Crosby und Rinker auch auf John Barris, mit dem zusammen sie die Rhythm Boys bildeten, ein zu der Zeit progessiv wirkendes
Gesangstrio. Whitemans Orchester beherbergte damals außerdem die fähigsten jungen weißen Jazz-Musiker, unter anderem Eddie Lang und Joe Venuti, aber auch Bix Beiderbecke, alles Instrumentalisten, von denen Crosby
viel lernte, die ihn aber auch gleichermassen zu schätzen wusste.
1930 machten die Rhythm Boys sich selbständig, aber Crosby ließ seine
Partner schnell hinter sich zurück. Im folgenden Jahr schaffte er seinen endgültigen Durchbruch als Solist. Mit Stücken wie „I Surrender Dear”, „Just One More Chance” und „Out Of Nowhere” erreichte er bemerkenswerte
Verkaufszahlen. Gleichzeitig wurde er von der CBS für das Radio engagiert und machte sich mit seinen Sendungen landesweit einen Namen. Ebenso fand er
Einlass in die Filmszene: Mack Sennett - der Entdecker vieler Stummfilm-Stars - sah in Crosby einen Schauspieler mit großem Potential und nahn ihn für seine Firma unter Vertrag.
Die folgenden zehn Jahre sahen den heutzutage vielleicht nicht mehr so ganz
nachvollziehbaren Aufstieg Bing Crosbys zu einer nationalen Institution, die fast jedem Amerikaner gegenwärtig war. Er war präsent in allen Medien, auf
Schallplatten, im Kino und im Radio. Das lag aber nicht zuletzt auch daran, dass ihm neben seiner künstlerischen Begabung auch eine kongeniale Geschäftstüchtigkeit zueigen war. Zuerst brachte er sein Privatleben in
Ordnung: er heiratete, er schränkte seinen Alkohol-Verbrauch ganz massiv ein und er engagierte Mitglieder seiner Familie für das Management. So vermied er
natürlich auch die in dieser Branche allgegenwärtige Gefahr, von geldgierigen Managern ausgenommen zu werden.
Crosby wurde zum erfolgreichsten Plattenstar der dreißiger und dann der
vierziger und frühen fünfziger Jahre. Er hinterließ diverse, bis heute noch nicht übertroffene Rekorde. Das gilt etwa für die Zahl der aufgenommenen Stücke, für
die Platzierungen in den Charts wie auch für die Verkaufszahlen. Zuerst war er für Brunswick tätig, dann ging er zu Decca, immer betreut von Jack Kapp, der
darauf sah, dass Crosby sein Repertoire und damit sein Publikum erweiterte. Dankenswerterweise verzichtet Giddins darauf, Kapp als den „schwarzen Mann”
darzustellen, der Crosby weg vom Jazz und hin zum schnöden Kommerz führte. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass Bing Crosby ohne Kapp wohl nicht so weit gekommen wäre. Kein anderer Sänger hatte ein so weites
Repertoire vorzuweisen. Er sang aktuelle Pop-Balladen genauso wie Lieder aus dem 19. Jahrhundert, dazu kamen noch Cowboy-Songs - „Home On The Range” wurde erst durch Crosbys Aufnahme so populär -, hawaiianische und
irische Lieder und vieles mehr. Man kann es auch so ausdrücken: vielleicht war Bing Crosby der wahre amerikanische Volkssänger, genau das, was Woody
Guthrie gern geworden wäre. Er hat im Grunde genommen die amerikanische Liedtradition definiert und den Kanon erweitert und das wirkt bis heute nach.
Und: Crosby hat seine Hörer mit seiner Stimme und seinen Liedern berührt, er bot eine Illusion der Einfachheit und er kam den Menschen nicht mit weltverbessernden Parolen.
Neben seinen Schallplattenaufnahmen wirkte in dieser Hinsicht auch seine
Stellung als überaus populärer Radio-Star. Das gilt insbesondere für seine Kraft Music Hall ab 1936, die laut Giddins bis zu 50 Millionen Zuhörer ansprach. Zum Vergleich: Präsident Roosevelts Fireside Chats kamen auf 60 Millionen, das
heißt: amerikanisches Radio in den dreißiger und vierziger Jahren wurde auch durch Bing Crosby definiert. Sein drittes Standbein war das Kino, auch wenn er
nicht gerade wie ein typischer Filmstar aussah. Stattdessen stellte er den arche- typischen normalen Amerikaner dar, der immer zum Schluss das
Mädchen bekam und die reichen Schnösel alt aussehen ließ. Nach seiner Zeit mit Mack Sennett spielte er in einer ganzen Reihe einfacher Musik- komödien
mit Partnerinnen wie Carole Lombard, Joan Bennett oder Marion Davies. Ab 1940 kamen dann die überaus populären Road To...-Filme mit Bob Hope und Dorothy Lamour, und mit Going My Way (1944) konnte er sich auch in
ernsthafteren Rollen einen Namen machen. Crosby war einer der erfolgreichsten Filmstars seiner Zeit, zwischen 1943 und 1954 gehörte er fünfzehnmal zu den zehn populärsten Schauspielern des Jahres.
Bing Crosbys zentrale Rolle für die amerikanische Musik lässt sich mit drei
Aspekten verdeutlichen. Zuerst steht die schlichte Tatsache, dass er den Pop-Gesang revolutioniert hat und damit zum entscheidenden Schrittmacher für
die weitere Entwicklung wurde. Alle nachfolgenden Sängerinnen und Sänger waren ihm - und Louis Armstrong als der zweiten zentralen Figur - verpflichtet.
Wer das nachprüfen möchte, der muss nur einen ganz simplen Hörtest machen und die Musik der zwanziger Jahre mit der der dreißiger Jahre vergleichen. Vor Crosby und Armstrong dominierten die Vaudeville-shouter á la Al Jolson und
Eddie Cantor, frühe crooner wie Gene Austin oder Nick Lucas, die Giddins ganz treffend als „effeminate tenors” bezeichnet und natürlich auch die operetten-
haften Tenorstimmen. Nach 1930 tauchten auf auf einmal Crosby-Epigonen in Serie auf, die den Markt überschwemmten und vom neuen Standard geprägt
waren, obwohl natürlich die Stars der Zwanziger noch nicht von der Szene verschwanden. Aber: letztere, ob Jolson, Cantor oder Lucas, klangen nun hoffnungslos veraltet.
Giddins skizziert kurz und knapp die Entwicklung des modernen Pop-Gesangs.
Er sieht Crosby und Armstrong und dazu Ethel Waters und Bessie Smith als die maßgeblichen Innovatoren. Das ist schon richtig, aber ich denke, er macht
es sich damit etwas zu einfach. Hier bietet sich in Wirklichkeit ein außer- ordentlich komplexes Bild. Es handelte sich eher um einen graduellen Prozess,
der seit dem Beginn der zwanziger Jahre in Gang gekommen war. Wichtig war einerseits die technische Entwicklung: die elektrische Aufnahmetechnik, das
Mikrophon, der Aufstieg des Radios; andrerseits hat die afroamerikanische Musik eine nachdrückliche Rolle gespielt. Das gilt für den ungeheuer
einflussreichen Vaudeville-Blues von Bessie Smith und ihren Kolleginnen, das gilt genauso für Ethel Waters als erste schwarze Sängerin, die sich im Mainstream positionieren konnte. Parallele Entwicklungen bietet der
Schallplatten-Blues der späten zwanziger Jahre. Auch Leroy Carr, Lonnie Johnson und vor allem Tampa Red wussten mit dem Mikrophon umzugehen.
Besonders wichtig waren aber die weißen Sängerinnen des Mainstream-Pop,
die Crosbys Innovationen in mancher Hinsicht vorweggenommen und ebenso nachdrücklich die afroamerikanische Musik zur Kenntnis genommen haben.
Annette Hanshaw etwa klang schon 1926 auffallend modern, Mildred Bailey und die Boswells waren Anfang der dreißiger Jahre schon weiter als Bing Crosby.
Aber: letzterer bleibt der wichtigste und wirkungsreichste Innovator. Er hat das, was wir als modernen Pop-Gesang betrachten, erstmalig konkret definiert und
damit auch marktfähig gemacht. Crosby war der erste Pop-Sänger neuen Stils und damit der Ausgangspunkt für alle, die nach ihm kamen. Frank Sinatra
fungierte ab 1938 als erster richtiger Herausforderer, aber auch Elvis Presley ist ihm mehr verpflichtet, als mancher es wahrhaben will. Sein Einfluss überschritt
auch die Grenzen des Mainstreams und war in der Country-Musik ebenso spürbar wie im Blues.
Bing Crosby war der erste weiße Sänger, der Louis Armstrongs Innovationen
zur Kenntnis genommen hat. Er hat ihn nicht kopiert oder simuliert, er hat das, was er von Armstrong gelernt hat assimiliert und auf seine eigenen Erfahrungen
angewandt: „[...] he understood that Louis's message was to be yourself”. Dazu kam ihm auch zugute, dass seit dem Ende der zwanziger Jahre die große Zeit
des amerikanischen populären Liedes einsetzte. Crosby interpretierte die Lieder auf individuelle Weise, etwas das vorher nicht unbedingt üblich war. Ebenso
konsequent hat er auch die gegebenen technischen Möglichkeiten und Neuerungen ausgenutzt. Insbesondere das Mikrophon ist hier von großer Bedeutung:
„It was his ultimate ally, perfectly suited to his way with dynamics and nuance and timbre. As he exploredc gradations in projection, Bing
collaborated with the electric current as if he wre romancing a woman. He played the mike with a virtuosity that influenced every singer to follow,
grounding it as a vehicle of modernism. Overnight, megaphones became a joke, as the tradition of vocal shouting receded into an instant prehistory
[...] With the microphone elaborating the subtleties of his delivery, Bing was reinventing popular music as a personal and consequently erotic medium” [S. 228]
Die Technik machte, wie das Giddins an anderer Stelle trefflich ausdrückte, die
Musik menschlicher. Der Sänger darf „leise” und nuanciert singen, wobei alle Nuancen den Hörer erreichen. Das Mikrophon projiziert Nähe, Intimität und
Wärme und erlaubt die direkte Ansprache an die Zuhörer. Man kann „normal” singen und viele Menschen gleichzeitig erreichen! Und genau das war die neue
Perspektive, die Crosby bot. Er war nicht der Erste, aber er hat seinen Stil bewusst und konsequent an den technischen Möglichkeiten orientiert.
Dieser bewusste Umgang mit der Technik ist Bing Crosby zweites großes
Verdienst. Das betrifft nicht nur das Mikrophon. Das lässt sich auch auf einer allgemeineren Ebene fassen. Wir wissen ja, dass die Entwicklung der
Schallplatte und der Aufnahmetechnik wie auch der Aufstieg des Radios nicht ohne Einfluss auf die Musik blieben, um das mal ganz vorsichtig auszudrücken.
Die neuen Massenmedien boten selbstverständlich keine Abspiegelung der Realität. Ganz im Gegenteil: sie schufen neue Realitäten: eine größere Kommunikationsdichte, die schnellere landesweite Verbreitung aktueller
Entwicklungen, eine gewisse Vereinheitlichung und damit auch eine Einebnung regionaler Charakteristika sowie im Endeffekt die Entstehung neuer Genres.
Blues und Jazz sind ohne diese technischen Möglichkeiten nicht denkbar!
Crosby hat auch hier ganz nachdrücklich seinen Stempel hinterlassen. Ein
Vergleich mag hier hilfreich sein. Al Jolson als Repräsentant der vorherigen Generation der Entertainer war nach allen Zeugnissen seiner Zeitgenossen
zweifellos ein ungeheuer wirkungsvoller Künstler. „Er war der eindrucksvollste Unterhalter auf amerikanischen Bühnen”, der „die Zuhörer in seinen Bann”
zwang, so hat das etwa Charlie Chaplin in seiner Autobiographie ausgedrückt. Aber: „Im Film war er nur der Schatten seiner selbst”. Man muss ergänzen,
dass das auch auf seine Schallplattenaufnahmen zutraf, die bestenfalls eine halbgare Abspiegelung der Realität boten und nie Jolsons oft beschriebene Magie als Entertainer fassen konnten.
Bei Bing Crosby aber waren die Schallplatten und die Radio-Übertragungen die
Realität. Seine Wirkung war durch sie bestimmt, seine Ausstrahlung und sein Charisma kamen erst über diese Massenmedien zur Geltung. Anders
ausgedrückt: er war keinesfalls ein Repräsentant einer seelenlosen Industrie, er hat erst der Technik mit aller Konsequenz Leben eingehaucht! Das passt auch,
dass er seit der Mitte der dreißiger Jahre auf Konzerte verzichtet hat und nur noch äußerst selten auf der Bühne zu finden war. Man kann das auch mit
einem heutzutage sehr modischem Ausdruck fassen: er war der erste „virtuelle” Entertainer!
Crosbys drittes, im gewissen Sinne ebenso in die Zukunft weisendes Verdienst
war sein Vermögen, ein Image aufzubauen und sich regelmäßig wieder neu zu definieren. Zu Anfang der dreißiger Jahre war Bing Crosby noch der „coole”
Balladen- und Jazz-Sänger, „the first hip white person born in the USA”, zum Ende des Jahrzehntes fungierte er schon als all-amerikanische nationale
Institution, als archetypischer Amerikaner, lässig und „normal”, „Mr. Lucky” und Herr Jedermann, der nur etwas reicher war als seine Mitmenschen. Er und sein
Management konnten schon bemerkenswert virtuos mit den gedruckten Massenmedien umgehen.
Aber andrerseits führte das natürlich auch dazu, dass ihm die Ecken und
Kanten abgeschliffen wurden:. „To achieve universality, he had to dilute individuality”. Und genau das war auch ein Grund für seinen Abstieg im
Bewusstsein der nachfolgenden Generationen. Er war der definitive Reprä- sentant des alten Amerika der Depression, des New Deal, dann der Kriegszeit
und abschließend auch der behäbigen Nachkriegs-Epoche, zu sehr verbunden mit der Kultur und dem Selbstverständnis der älteren Generation, als dass er im
segmentierten kulturellen Markt seit dem Aufstieg des Rock'n Roll noch seine Position halten konnte. Elvis Presley als jugendlicher Held und Frank Sinatra
als Heros der erwachsenen Musikhörer waren nun die maßgeblichen Ikonen der populären Kultur. Und im Zeitalter des Rock seit den sechziger Jahren blieb ihm
dann nur noch die Rolle des allgegenwärtigen Weihnachtsmannes, an den man sich bestenfalls noch wegen „White Christmas” erinnerte und der ansonsten nur ein weiterer spießiger Rückstand aus alten Zeiten war!
Gary Giddins beschreibt Bing Crosbys Aufstieg bis 1940 mit reichhaltiger
Kenntnis der Musik und Kultur dieser Zeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren, die sich an Musiker-Biographien versucht haben, sieht er auch immer
den historischen Kontext. Das ist einer der großen Verdienste dieser Arbeit. Zwar versäumt er es gelegentlich, seine Jazz-Brille abzulegen, aber in der
Regel ist er frei von diesem etwas anstrengenden Jazz-Fundamentalismus, der so viele Auseinandersetzungen mit der Musik der Vorkriegszeit prägt. Bing
Crosby war ein Popsänger, kein kommerziell verheizter Jazzer: eine Orientierung auf das kommerzielle Potential hin ist nicht per sé abträglich für
die Qualität der Musik. Giddins verfällt andrerseits aber auch nicht in undifferenzierte Lobeshymmnen, obwohl er ganz offensichtlich doch sehr von
seinem Helden beeindruckt ist. Aber: er ist in der Regel sicher in seinem Urteil und er vergisst auch nicht darauf hinzuweisen, dass nicht wenige Aufnahmen
Crosbys nicht so gut gelungen sind. Neben vielen Klassikern hat er gleicher- maßen viele fragwürdige Werke eingespielt und sich viel zu oft mit eher minderwertigem Material abgeben.
Hoch anzurechnen ist dem Autor auch, dass er sich nicht am heutzutage so modernen debunking beteiligt. Nicht wenige Biographen meinen sich mit den
persönlichen Defekten ihres Helden befassen zu müssen. Im Grunde genommen geht es ja einzig und alleine darum, dass Berühmtheiten, die uns normalen Menschen als Künstler weit überlegen sind, wieder auf den Boden der
Wirklichkeit zurück geholt werden sollen: seht her, der kann zwar besser singen als wir, dafür ist er uns aber in menschlicher Hinsicht unterlegen. Und
genau das vermeidet Giddins dankenswerterweise, obwohl er den „privaten” Bing Crosby auf angemessene Weise berücksichtigt. Immerhin hat dieser
Ansatz wohl doch manchen Leser etwas irritiert. Einer Rezensentin waren all diese vielen Einzelheiten über Crosbys Filme und Platten zuviel, sie hätte gerne
mehr darüber erfahren, ob er nun seine Frau betrogen hat oder nicht. Das ist aber genau diese kuriose gedankliche Verwirrung im Umgang mit Berühmt-
heiten jeglicher Provenienz. Es ist doch nicht die Aufgabe des Biographen, ein posthumes Dossier für den Scheidungsanwalt vorzulegen.
Man mag natürlich darüber diskutieren, ob solche Informationen notwendig sind,
um einen Künstler als Künstler beurteilen zu können. Nur: Aber ich denke doch, dass all diese persönlichen Defekte genauso wie die eher positiven
menschlichen Eigenheiten sind mit dem Tod des Betreffenden unter die Erde gekommen. Was bleibt ist das, was er hinterlassen hat, im Falle Crosbys
nämlich seine Musik. Giddins gerät leider manchmal aber doch in die Fänge dieses debunking-Syndroms. Er meint nämlich, manche persönlichen
Eigenarten Crosbys rechtfertigen zu müssen. Ich glaube nicht, das so etwas notwendig ist. Das Leben eines Menschen spricht für sich. Die Helden unserer
populären Kultur bieten doch in der Regel in persönlicher Hinsicht ein etwas fragwürdiges Bild. Und Crosby kommt im Vergleich zu vielen Kollegen da doch verhältnismäßig gut weg.
Gary Giddins hat eine hervorragende Biographie verfasst, die einen faszinierenden Einblick in das Leben eines - ich sage das jetzt ganz
ausdrücklich - wirklich bedeutenden und einflussreichen Künstlers erlaubt und gleichermassen demonstriert, wie man eine solche Biographie verfassen sollte.
Auch in sprachlicher Hinsicht gefällt mir dieses Buch. Ich mochte immer Giddins' Art zu schreiben. Er ist frei von dieser Besserwisserei, die viele
Autoren pflegen, die sich mit populärer Musik befassen. Ich freue mich über jeden Autor, der die Vorteile gut lesbarer Sachprosa erkannt hat.
Ganz ohne Probleme ist dieses Buch natürlich auch nicht. Im Umgang mit
Crosbys Gesangsstil schleichen sich gewisse terminologische Unsicherheiten ein und seine Auseinandersetzungen mit einzelnen wichtigen Aufnahmen
bleiben häufig auf einer eher impressionistischen Ebene. Es mangelt da an musikwissenschaftlich tragbaren Aussagen. Außerdem verzettelt Giddins sich
in der Tat gelegentlich in Einzelheiten. Ganz offensichtlich war er von der der Fülle des verfügbaren Materials überwältigt. Auch empfinde ich die Struktu-
rierung dieses Buches als etwas unübersichtlich. Die Sortierung der einzelnen Kapitel ist zwar logisch nachvollziehbar, aber innerhalb der Kapitel wäre eine
genauere und leserfreundlichere Gliederung schon angebracht gewesen. Es ist manchmal schwierig, sich im Text zu orientieren. Der vorzügliche Index ist da
nicht immer ausreichend. Auch hätte ich zu manchen Themen gerne mehr gelesen, etwa zu Crosbys Arbeit mit Eddie Lang. Das sind aber alles kleinere
Mängel, die nichts an der grundlegenden Qualität dieses Buches ändern. In formaler Hinsicht ist auch wenig auszusetzen. Neben dem Index finden sich
hier auch ein - allerdings nicht ganz vollständiges Literaturverzeichnis, eine Diskographie, die bis 1940 reicht, sowie eine informative Aufstellung aller Filme, an denen Crosby beteiligt war.
Es bleibt abschließend nur die Frage: lohnt sich die Lektüre auch für Leser, die
Crosby und seiner Musik eher fern stehen? Ich denke schon! Einerseits war er eben der einflussreichste Sänger seiner Zeit, der dazu noch eine grundlegende
Bedeutung für die weitere Entwicklung der Popmusik hatte. Historisch interessierte Leser sollten dieses Werk schon zur Kenntnis nehmen. In dieser
Beziehung ist dieses Buch in Zukunft als Standardwerk zu betrachten. Aber daneben empfehle ich auch eine nähere Beschäftigung mit Bing Crosbys Musik. Man lese diese Biographie und höre dazu einige sinnvoll zusammen-
gestellte und gut produzierte CDs. Vielleicht versteht man dann warum Crosby so viele Menschen mit seiner Stimme berührt hat. Viele seine Aufnahmen,
gerade aus den dreißiger Jahren, sind genau so wenig veraltet wie etwa Louis Armstrongs Platten mit den Hot Fives und Hot Sevens. Bing Crosby hat einige
der besten und schönsten Beispiele für zeitlose Popmusik eingespielt. Es wäre schade, wenn diese Musik in der Nostalgie-Ecke liegen bliebe.
Bing Crosby - einige CD-Tipps
Man kann nicht sagen, es gäbe nur wenige CDs zu Bing Crosby. Das Gegenteil
ist der Fall. Man braucht da nur bei einem beliebigen CD-Versender im Programm nachschauen. Aber bei Crosby zeigen sich noch mehr als bei
vergleichbaren Interpreten gewisse grundsätzliche Probleme. Einerseits ist die Tonqualität vieler Veröffentlichungen etwas angreifbar. Das gilt insbesondere für
die Produkte der Plattenfirmen, die den „Nostalgie”-Markt mit CDs zum Dumping-Preis überschwemmen. Andrerseits beschränken sich die meisten Veröffentlichungen leider immer nur auf einen gewissen Grundbestand an
„Großen Hits”. Es gibt genug Sammlungen mit Titeln wie „The Best Of Bing Crosby”, „ 20 Hits” oder Ähnlichem. Wer Crosby-CDs sammelt, der wird ganz
schnell Standards wie „White Christmas”, „Don’t Fence Me In”, „Please” oder „Out Of Nowhere” in vielfacher Ausfertigung besitzen. Diese Kritik gilt aber auch
für die Werke der engagierteren Firmen. Offensichtlich muss man konkurrenzfähig bleiben.
Anfangen könnte man eventuell mit der „offiziellen” CD-Box von MCA:
- Bing Crosby , His Legendary Years 1931 - 1957 [4 CDs], MCA 10887
Da finden sich natürlich viele bekannte und manche nicht ganz so bekannte
Werke in guter Tonqualität. Aber: das ist eine etwas kostspielige Angelegenheit. Etwas problematisch sind auch zwei Doppel-CDs, die aber sehr preiswert und leicht erreichbar sind:
- A Portrait Of Bing Crosby, Gallerie Gale 403.
- The Best Of Bing Crosby, MCA 11561
Die Sammlung von Gallerie bietet eine erfreulich gute Auswahl, aber dafür
hapert es doch sehr bei der Tonqualität. Das ist das grundsätzliche Problem mit den Veröffentlichungen auf diesem Label. Die Doppel-CDs dieser Reihe sind
äußerlich sehr edel aufgemacht, auch in thematischer Hinsicht sind sie sehr interessant und dazu noch sehr preiswert. Aber ich bin bisher jedes mal von der
tontechnischen Wiederaufbereitung sehr enttäuscht gewesen: entweder es rauscht gnadenlos oder man hat das Remastering mit dem Holzhammer durchgeführt. Die Kollektion von MCA zeigt, dass auch die großen Firmen
sündigen. Auf liner notes hat man ganz verzichtet, die Auswahl der Lieder ist ziemlich fragwürdig. Man hat zielsicher allerlei eher schwächere Aufnahmen
zusammengestellt, Lieder, die keinen angemessenen Einblick in Crosbys Repertoire bieten.
Ich würde eher empfehlen, auf ausgewählte einzelne CDs zurückzugreifen. Es
gibt inzwischen eine ganze Reihe vorzüglicher Veröffentlichungen. Man muss sie nur finden. Allerdings: an Überschneidungen kommt man da auch nicht vorbei. Sehr gut sind beispielsweise:
- Bing Crosby, Song Hits From The Movies (Robert Parker: Classic Years In Digital Stereo), Nimbus NI 2013.
- Bing Crosby, Don’t Fence Me In. 22 Number One Hits, Castle Pulse PLS CD 381.
Die kürzlich erschienene Nimbus-CD ist die momentan beste verfügbare
Kompilation. Die Tonqualität kann ich nur als beeindruckend bezeichnen, auch die Auswahl der Lieder ist akzeptabel: hier finden sich Klassiker wie „Where
The Blue Of The Night”, „Please”, „Moonlight Becomes You”, „Sweet Leilani” oder (natürlich!) „White Christmas”, aber auch manche eher obskure Stücke:
„The Pessimistic Character” und „Is You Is Or Is You Ain’t Baby”. Die CD von Castle Pulse klingt natürlich vom Titel her schon sehr verdächtig, sie ist auch
sehr preiswert - man bekommt sie hierzulande als England-Import für 10 bis 15 DM - und auf liner notes und Aufnahmedaten hat man auch verzichtet, aber:
das ist eine sehr schöne und lohnenswerte Kollektion. Die Tonqualität ist erfreulich gut, einzig bei „Just One More Chance” hat man sich arg vergriffen.
Dafür gibt es hier einige von Crosbys besten Aufnahmen: „You Must Have been A Beautiful Baby”, „I’ve Got A Pocketful Of Dreams”, „Dinah” (mit den Mills
Brothers), „It’s Easy To Remember”, „Don’t Fence Me In” und - in brauchbarer Qualität - „Brother, Can You Spare A Dime”. Letzteres Stück gehört zu den
beeindruckendsten und bewegendsten Stücke, die ich je gehört habe. Diese von traurigem Pathos geprägte Klage ist als „Protest-Song” effektiver und
eindringlicher als alle Werke von Woody Guthrie und Kollegen zusammen!
Gleichermaßen empfehlenswert sind auch:
- Bing Crosby, Classic Crosby Vol. 1, Original Recordings 1930 - 1934, Naxos Nostalgia 8.120507.
- Bing Crosby, You And The Night And The Music, Avid Master Series AMSC 633
Die CD von Naxos ist auch noch nicht allzu lange auf dem Markt. Sie ist sehr
preiswert, aber trotzdem sehr gut. Hier finden sich 18 Stücke aus den Jahren 1930 - 1934. Offensichtlich sind weitere Folgen dieser Reihe zu erwarten. Das w ürde mich sehr freuen. Nicht ganz so preiswert ist die Sammlung von Avid, die
bei uns nur als teurer England-Import verfügbar ist. Aber auch hier ist die Tonqualität wieder ganz vorzüglich. Diese CD bietet 25 Balladen. Das ist möglicherweise
etwas zu viel auf einmal, man sollte nicht unbedingt alles am Stück hören. Aber es handelt sich hier zum Teil um wunderschöne Aufnahmen. Das gilt etwa für „Dancing Under The Stars”, wo er nur von einer
dezenten Hawaii-Gitarre begleitet wird. Und: dankenswerterweise haben die Produzenten hier Stücke zusammengestellt, die sich nicht auf jeder zweiten CD finden!
Mit diesen vier Kollektionen hat man schon eine gute Grundlage. Mit etwas
Mühe finden sich unter den vielen verfügbaren Veröffentlichungen noch allerlei weitere interessante CDs. Man sollte sich da aber an die üblichen verlässlichen
Label halten, etwa ASV, Flapper, Topaz oder Avid. Nur: Überschneidungen lassen sich, wie gesagt, kaum vermeiden Lohnenswert sind beispielsweise thematisch sortierte Sammlungen. Sehr gut finde ich zwei Werke von ASV:
- Bing Crosby & Friends, ASV Living Era CD AJA 5147.
- Bing Crosby, I’m An Old Cowhand, ASV Living Era CD AJA 5160.
Auf der erstgenannten CD hört man allerlei Duette Crosbys mit mehr oder
weniger bekannten Zeitgenossen, etwa Connie Boswell, Johnny Mercer, Frances Langford, Fred Astaire oder die Andrews Sisters. Insbesondere die Aufnahmen mit Connie Boswell, beispielsweise den beeindruckenden „Basin
Street Blues” sollte man sich nicht entgehen lassen. Crosby hat bekanntermaßen auch Cowboy- und Country-Songs gesungen und damit sehr viel für die Akzeptanz dieser Genres getan. ASV hat dazu 25
Stücke zusammengestellt. In musikalischer Hinsicht sind diese Aufnahmen allerdings sehr durchwachsen. „Home On The Range” und „The Last Roundup” sind zwar einflussreiche
Klassiker, klingen für meine Begriffe doch arg kitschig. Vergessen hat man leider seine schone Version von „You Are My Sunshine”.
Auch in seinen Filmen hat Bing Crosby immer gesungen und dazu sind diverse
CDs auf dem Markt. Man sollte sich aber unbedingt Billigprodukte jeglicher Provenienz ersparen und direkt zur massgeblichen Dokumentation greifen:
- Bing Crosby, Going Hollywood, Vol. 1 & Vol. 2, Jasmine JASCD 108/9 & 113/4
D as sind zwei ebenso kostspielige wie hervorragende Doppel-CDs. Zum Teil stammen die Stücke von Schallplatte, daneben hat der Produzent Geoff Milne aber auch die Tonspur des
jeweiligen Films benutzt. Die Tonqualität ist sehr gut, aber man muss natürlich bei den direkt aus dem Film kopierten Aufnahmen gewisse Abstriche machen. Trotzdem ist alles noch sehr gut anzuhören.
Die hier aufgeführten CDs befassen sich fast ausschließlich mit der Zeit ab 1930/31. Einen Einblick in seine frühen
Aufnahmen mit Paul Whiteman und den Rhythm Boys erlauben zwei schöne Veröffentlichungen:
- Bing Crosby 1926 - 1932, Timeless Historical CBC 1-004
- Paul Whiteman & His Dance Band, Vol. 1, Naxos Nostalgia 8.120511
Die Timeless-CD bietet 24 Stücke in vorzüglicher Tonqualität, allerdings sind
nicht unbedingt alle diese Aufnahmen so genießbar. Eine treffliche Alternative hat man neuerdings mit dieser kürzlich erschienenen Sammlung von Naxos.
Hier findet man zumindest die wichtigsten der Stücke, an denen Crosby beteiligt war: „Muddy Water”, „I’m Coming Virginia”, „Mississippi Mud” und „You Took „Advantage Of Me”.
Neben den vielen Schallplatten hat Crosby ebenso reichlich Aufnahmen für das
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Bing Crosby im Radio
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Hier lohnt sich wieder ein Blick in das The Bing Crosby Internet Museum von Steven Lewis. Unter dem Titel Bing On Radio findet sich ein instruktiver Überblick über Crosbys Karriere als Radio-Star. Unter anderem kann man sich dort auch seinen allerersten Radioauftritt herunter- laden. Steven Lewis bietet auf seiner News-Seite auch regelmäßig komplette Radio-Sendungen.
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Radio hinterlassen. Die sind einer- seits interessant, weil er viele Stücke singt, die er nie auf Platte veröffentlicht hat, dazu findet man
noch sehr viele Duette mit Kollegin- nen und Kollegen, die teilweise sehr interessant sind. Leider stehen wir vor dem Problem, dass aus den dreißiger Jahren sehr wenig erhalten ist. In der Regel findet man
auf den entsprechenden CDs vor allem Radioaufnahmen aus den Vierzigern und Fünfzigern. Unter den vielen verfügbaren Veröffentlichungen möchte ich hier nur zwei hervorheben, die ich ganz gerne höre:
- Great Moments With Bing Crosby & Friends, On The Air OTA 101978 [2 CDs]
- Bing Crosby, The Radio Years, GNP Crescendo GNPD 90051/2 [2 CDs]
Die Sammlung von On The Air bietet viel gute Musik, unter anderem ein sehr
skurriles „Ghost Riders In The Sky” sowie drei Duette mit Connie Boswell. Leider ist die Tonqualität nicht so gut, wie sie sein sollte. Besser ist in dieser
Hinsicht die Doppel-CD von GNP. Nur die Auswahl der Stücke scheint mir nicht ganz so gut gelungen zu sein.
Alle hier genannten CDs erlauben einen instruktiven und lohnenswerten Einblick
in Bing Crosby Repertoire. Es bleibt das Problem, dass es so etwas wie eine systematische Bestandsaufnahme nicht gibt. Das finde ich sehr bedauerlich.
Ich vermute mal, dass sich unter all den Aufnahmen, die noch nicht auf CDs veröffentlicht wurden, noch allerlei Interessantes findet. Den zuständigen
Plattenfirmen möchte man mal etwas mehr Phantasie wünschen. Ganz außer Acht gelassen habe ich hier auch Crosby „Spätwerk”, das heißt, seine
Aufnahmen seit der Mitte der fünfziger Jahre. Das ist noch ein Kapitel für sich. Hier sei daher abschließend nur auf eine sehr schöne Veröffentlichung hingewiesen, die auch leicht erreichbar ist:
- Bing Crosby, Legends Of The 20th Century, EMI 7243 522815 2 7.
D ieses Werk, für das Will Friedwald sehr schöne liner notes geschrieben hat, bietet 25 Stücke aus den Jahren 1957 bis 1964, unter anderem Duette mit Louis Armstrong und Rosemarie
Clooney. Crosbys singt unglaublich gut: seine Stimme ist mit den Jahren immer besser geworden. Aber: diese Aufnahmen klingen so „konservativ” und so „erwachsen”, dass man sehr gut nachvollziehen kann,
warum die jüngeren Hörer nicht mehr allzu viel an Crosby finden konnten.
© Jürgen Kloss 2001 addenda. Bücher & CDs zur älteren populären Musik http://www.v-jk.de eMail: webmaster@v-jk.de VÖ: 17.05.2001
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